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Der russische Rock ist im Ausland wenig bekannt, wenn man naturlich die Musiker
aus den Emigrantenkreisen unberucksichtigt lasst. Die Rockmusik hat in Russland
ihre eigene Besonderheit: Im Westen wird eine CD herausgegeben, dann reist man
und stellt die CD vor, in Russland verdient man zuerst Geld, indem man auf Reisen
geht, und erst dann wird von dem Erlos eine CD herausgegeben.
Sergej
Tjaschin, der Bassgitarrist der Gruppe „Dynamik“, machte im Grunde den ganzen
Weg des Werdegangs des russischen Rocks durch, spielte in verschiedenen Rockgruppen,
nun bereits seit neun Jahren in der erwahnten Gruppe. Aber vor einem halben Jahr
begriff Sergej, dass er reif fur eine Solo-Karriere ist, und arbeitete sein eigenes
Projekt aus: das Album mit dem Titel „Robin Vood“. Wie Sergej selbst sagt, ist
er von der zweiten Rockwelle erzogen worden, zu der unter anderem „Deep Purple“
gehort. Im Gegensatz zum Leiter von „Dynamik“, Wladimir Kusmin, der sich von den
„Beatles“ und den „Roling Stones“ inspirieren lie?. Sergej ist der Meinung,
dass es in Russland schwer ist, Rocker zu sein. Erstens gibt es, anders als bei
den Popmusikern, Probleme beim Geldverdienen. Eine Promotion ist sehr wichtig,
auch fur erfahrene Profimusiker, wenn sie ihre CDs herausgeben wollen. Man muss
mindestens drei bis vier erfolgreiche kommerzielle Alben herausgebracht haben,
wobei in jedem Album wenigstens zwei bis drei lyrische Hits mit Popelementen vorhanden
sein mussen. Aber es macht Spass, Rockmusiker zu sein, meint Sergej. Es habe
Spass gemacht, mit der Arbeit am eigenen Album zu beginnen, das dadurch interessant
sei, dass die Rockmusik mit orientalischer Musik vermischt wurde, und das Saiteninstrument
Rubab die Musik etwas lyrisch mache. Sergej braucht kein Rauschgift, um Musik
zu schreiben. In der Welt ist die Meinung verbreitet, dass zu einem Rockmusikanten
unbedingt auch Alkohol oder harte Drogen gehoren. Sergej lehnt das ab – fur sein
Schaffen brauche er so etwas nicht. Der Rock an sich inspirierte ihn. Ohne Doping
gab die Gruppe, in der Sergej gerade spielt, etwa zweieinhalb Stunden lang dem
vor Begeisterung tobenden Saal ihre Energie weiter. Die Show entwickelte sich
vor den Augen der Zuschauer spontan, sie verlief nicht nach einem festen Plan.
Laut Sergej ist der richtige Rock Ende der 80er Jahre nach Russland gekommen.
Eben in dieser Zeit begann ein lebhafter Musikaustausch. Russische Rockgruppen
kamen aus dem Underground heraus, von nun an durften sie frei ihre Musik spielen,
durch Europa reisen, in Amerika gastieren, auch wenn sie fast immer nur in Klubs
aufgetreten sind. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs spurte man mehr Interesse
fur moderne russische Musik. Als dieses Interesse seinen Hohepunkt erreichte,
verschlug es Sergej nach Deutschland. Er bereiste das Land mit seiner Gruppe,
sprach sehr viel mit deutschen Rockmusikern, trat manchmal sogar mit ihnen zusammen
auf. Nach dieser Tour war er sich sicher, dass Musiker eine besondere Nationalitat
ist, deren Sprache die Musik ist. Dass die russische Rockkultur im Westen immer
noch nicht anerkannt wurde, hat nichts mit der Sprachbarriere oder mit ihrer Schwache
zu tun, das hangt schon wieder mit den banalen finanziellen Problemen zusammen:
„Im Westen gibt es andere Kriterien, die harter und pragmatischer sind, au?erdem
ist die Konkurrenz sehr stark.“ Im Mai fand im Rahmen eines Internet-Projekts
ein Wettbewerb russischer Rockgitarristen statt. Aus allen Teilen Russlands schickten
junge Gitarristen ihre Kompositionen ein. Fur Sergej, der zur Jury gehorte, war
es eine angenehme Uberraschung, wie hoch das Niveau der Musiker war. Tjaschin
beobachtet mit Optimismus, wie sich die Einstellung des Westens zur russischen
Rockmusik andert, denn die technische Seite wird immer besser, und zwar auch dadurch,
dass begabte junge Kunstler gefordert werden.
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